Historisches zu Ober- und Unterweihersbuch

Beide Ortsteile, Ober- wie auch Unterweihersbuch, werden merkwürdigerweise im gleichen Jahr 1303 erstmals in zwei verschiedenen Urkunden genannt.

Oberweihersbuch finden wir im ältesten Lehenbuch der Würzburger Bischöfe vom Jahre 1303 verzeichnet. Es wird darin der Ritter Heinrich von Buttendorf mit Zehnten von 2 Höfen in Weihersbuch belehnt.

Unterweihersbuch ist im gleichen Jahr 1303 genannt, als in einer Urkunde 2 Höfe zu Büchelein verkauft werden. Zunächst möchte man an die Ortsteile Ober- und Unterbüchlein denken, jedoch sind die beiden Höfe dem Nürnberger St. Klara-Kloster zinsbar. Dies trifft aber nur auf Unterweihersbuch zu, wo das Kloster seit früher Zeit Besitzungen hatte. Daher ist auch in dem Kopialbuch des Klosters vom Jahre 1734 die Verkaufsurkunde von 1303 für den Ort Unterbuch, wie der Ortsteil Unterweihersbuch bis ins 19. Jahrhundert oft bezeichnet wurde, eingereiht.

Wenig später erfahren wir aus einer Urkunde (ausgestellt am 2. August 1307), daß Burggraf Friedrich von Nürnberg den Frauen des dortigen St. Klara-Klosters für seine Tochter Agnes, die dem Orden beigetreten war, jährlich Einkünfte aus seinem gute, daz Buech bie Nürenberch vermacht.

Diese Urkunde ist bisher von manchen Historikern auf den Vorort Buch bei Nürnberg bezogen worden, von anderen wieder auf die Ortschaften Ober- und Unterbüchlein (bei Gutzberg gelegen). Jedoch geht aus späteren Gültbüchern des Klaraklosters eindeutig (mit Bezug auf diese Urkunde von 1307) hervor, daß es sich um die Ortschaft Unterweihersbuch handelt. Schuld daran ist, daß die Ortsbezeichnungen in früherer Zeit oftmals wechselten. So finden wir die Namen Büchlein, Nidernpuch, das untere Püchleins, bis sich ungefähr von 1400 an allgemein die Ortsbezeichnung Unterbuch für das heutige Unterweihersbuch herausgebildet hat, während der heutige Ortsteil Oberweihersbuch nur mit Oberbuch oder Weihersbuch bezeichnet wurde. Im Grunde genommen sind Oberbuch und Weihersbuch zwei verschiedene Ortsteile. Das obere Buch umfaßte in früherer Zeit nur die Anwesen an der Stuttgarter Straße und bestand ursprünglich aus zwei großen Höfen und dem Wirtshaus, das schon über 500 Jahre besteht, als Nebengut. Da diese Anwesen auf der Höhe lagen, ist die Bezeichnung Oberbuch leicht verständlich.

Wo lag der Weiher (oder auch die Weiher), der so augenfällig war, daß er für den anderen Ortsteil namengebend wurde? Sehr wahrscheinlich war dies ein Weiher von 4 Tagwerk Größe, der Weyer zu Weyersbuch, mitten im Dorf in einer markgräflichen Lehensurkunde von 1489 genannt. Er scheint schon zu der Zeit nicht mehr als Weiher bestanden zu haben, sondern war Wiese. Heute ist es die Hofwiese (Fl.-Nr. 254 und 256) hinter der Errmannschen Gastwirtschaft.

Doch kehren wir zu der geschichtlichen Entwicklung des Ortes Unterweihersbuch zurück. In dem ältesten Gültbüchlein (= Abgabenverzeichnis) des Nürnberger Klara-Klosters vom Jahre 1316 werden uns 5 Dorfbewohner genannt: Der Stolz; Kraft, des Stolzen Sohn; die Stenzin (offenbar eine Witwe); die Cunradin (wiederum eine Witwe) und der Ruel. Aus einem etwas späteren Zusatz am Rande des Pergamentblattes wird ersichtlich, daß der Hof des Ruel bald danach auf seine Söhne Merkel und Eberlein aufgeteilt wurde. So bestand der Ort Unterweihersbuch um 1350 aus 6 bäuerlichen Anwesen, und diese Größe behielt er nun über 500 Jahr hinweg bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Mitten zwischen den Bauernhöfen eingeschlossen, lag einstmals das Dorfwirtshaus. Auch seine Geschichte läßt sich recht gut bis in die Frühzeit zurückverfolgen. In einer Urkunde vom Jahre 1398 lesen wir von einem gütlein zu dem Püchleins, das der Stenze baut.

In dieser Urkunde vermacht nun Peter Groß, ein Nachfahre des bekannten Spitalstifters Conrad Groß in Nürnberg, seinen Verwandten die Mühle zu dem Stein, die ein Lehen der Herren von Buttendorf ist, und dies kleine Gut, das wohl ein freies Eigen ist. Bereits im Jahre 1404 finden wir das Gütlein im Besitz des Heilig-Geistspitals, sein Besitzer ist noch der Stentz, bis ungefähr 1485 bleibt es im Besitz dieser Familie Stentz. Der Feldbesitz betrug allerdings nur 2 Morgen, später hat dies kleine Gut oftmals keinen eigenen Besitzer, sondern wird von einem der Bauernhöfe mitbebaut, so nach 1660 von dem Brunnerhof. Auf dem Wirtshaus sitzt dann ein Pächter, es hatte einstmals die alte Haus-Nr. 6 (heute Anwesen Hauerstein/Gröger). Nach 1850 wurde dann die Wirtschaft vor das Dorf verlegt (altes Haus Nr. 12), wo es lange im Besitz der Familie Weichselbaum war.

Alle 6 bäuerlichen Anwesen in Unterweihersbuch besaßen in früheren Zeiten auch Anteile an dem Fischwasser in der Rednitz, die bis zur Flußmitte gingen, die andere Hälfte gehörte den Gebersdorfer Bauern. Das Lehnsrecht oder Obereigentum an diesem Fischwasser besaß die Bamberger Dompropstei. Aus diesen Rechten der Unterweihersbucher Bauern können wir zweifelsohne auf eine frühe Besiedlungszeit des Ortes schließen, ohne dies im Rahmen dieser gedrängten Ortsübersicht näher zu begründen.

Frühe Lehensrechte des Bamberger Bischofs finden wir aber auch in dem Ortsteil Oberweihersbuch. Um 1400 belehnt Bischof Albrecht den Nürnberger Bürger Conrad Baumgärtner mit einem Hof in Weihersbuch, ab 1500 ist er Besitz der Familie Behaim geworden. Durch Teilung entstanden nach 1780 die heutigen beiden Anwesen Reisch und Winkler an der Stuttgarter Straße Nr. 33 und Nr. 35. Auch die etwas entfernt davon an der Stuttgarter Straße liegenden Anwesen Errmann, Winkler und Kleinlein scheinen einstmals zu dem Bamberger Lehenskomplex gehört zu haben, wie aus der Flurlage der Felder ohne weiteres zu erschließen ist. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts allerdings befinden sich diese Anwesen als ein großer Hof im Besitz des Nürnberger Katharinenklosters. Leider ließ sich bisher keine Urkunde auffinden, aus der uns nähere Umstände des Besitzwechsels hervorgehen. Beide alten Höfe, rechts und links der heutigen Straße nach Ansbach gelegen, pfarrten nach Roßtal und gaben auch dorthin den Zenten, beides läßt auf einen frühen Zusammenhang mit der Geschichte Roßtals schließen. Wir wissen aber auch, daß der umfangreiche Besitzkomplex von Roßtal um 1050 in den Händen der Bamberger Bischöfe war.

Einer etwas späteren Rodungs- und Ausbauzeit des Landes wird der Weihersbucher Ortsteil nördlich des Bucher Grabens angehören. Hier haben im Auftrag des Reiches einzelne Reichsdienstmannen oder Ritter in dem umfangreichen Waldgebiet die Rodung durchgeführt.

Das Reichslehenbuch von 1396 nennt uns die Herren von Berg und den Ritter Hilpolt von Mainthal, beide in naher Verwandtschaft, die damals einzelnen Nürnberger Patriziern und Bürgern ihre Höfe als Reichsgut zu Lehen gaben. Die wechselhafte Geschichte dieser Oberweihersbucher Höfe mit ihren bäuerlichen Besitzern wird einer besonderen Schrift später vorbehalten bleiben. Heute sind es die Anwesen Lohbauer (Locher Straße 9), Collischon (Locher Straße 8), Pröger (beim Locher Weg 3), Stahl/Pfeifer (beim Locher Weg 1 und 2) sowie Fritz Lohbauer (Locher Straße 4).

… Fortsetzung folgt! …

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