700 Jahre Ober- und Unterweihersbuch

Lage am Bachlauf gab Steiner Ortsteilen Ober- und Unterweihersbuch den Namen

Ein Jubiläum besonderer Art feierten die beiden Steiner Ortsteile Ober- und Unterweihersbuch im Jahr 2003. Im Jahr 1303 traten sie erstmals ins Licht der Geschichte und konnten somit im Jahr 2003 ihr 700jähriges Bestehen feiern. Oberweihersbuch wurde in einer Urkunde des Hochstifts Würzburg, Unterweihersbuch in einer Urkunde des St. Klara Klosters in Nürnberg, erstmals erwähnt. Die Entstehung der beiden Ortsteile dürfte aber noch weiter zurückreichen.

Die Namen der beiden Schwesterortschaften gehen auf den Standort der neuen Siedlungen an einem Buchenwald zurück. Der Namensteil Weiher geht auf einen schon zur damaligen Zeit bestehenden weiher in Oberweihersbuch am Lauf des Grundbaches zurück. Wahrscheinlich befand sich dieser „Urweiher“ in der Lohbauerswiese neben dem Garten des Gasthauses „Zur Linde“ – jetzt „Pizzarante Salvatore“. Die Unterscheidungen Ober und Unter im Ortsnamen kommen von der Lage am Bachlauf her.

Nach der Besiedlung und dem Ausbau der Fluren blieb die Größe der beiden Ortschaften lange Zeit relativ unverändert. Um das jahr 1400 gab es in Unterweihersbuch fünf, und in Oberweihersbuch neun Höfe. 1478 wird das erste mal ein Wirtshaus am heutigen Standort des Gasthauses „Pizzarante Salvatore“ – ehemals „Zur Linde“ erwähnt, ein Beleg für die schon früh vorhandene Geselligkeit in Oberweihersbuch.

Die damalige Bevölkerung, die mit einfachen Mitteln Ackerbau und Viehzucht betrieb, führte einen harten Kampf ums tägliche Überleben. Kriege, Missernten und Seuchen machten oftmals das mühsam erreichte wieder zunichte.

Die größte Katastrophe für die beiden Dörfer aber war mit Sicherheit der 30-Jährige Krieg. Franken war am Anfang der Auseinandersetzung nicht direkter Kriegsschauplatz. Es wurde aber immer wieder von fremden Heeren durchzogen, geplündert und verwüstet. Im Sommer 1632 rückte es dann ins Zentrum der Auseinandersetzungen. Wallenstein schlägt sein Lager mit 50.000 Soldaten und einer großen Anzahl Trossangehörigen im Raum Zirndorf auf. Gustav Adolf hat sich im stark befestigten Nürnberg verschanzt. Die Versorgung ihrer Armeen bereitet beiden große Schwierigkeiten. Am 3. September kommt es zur Schlacht an der Alten Veste, die keiner der beiden Gegner als eindeutigen Sieg für sich verbuchen kann. Aufgrund der schlechten Versorgungslage und dem Grundsatz

Der Krieg ernährt den Krieg

plündern, morden und brandschatzen beide Armeen die Gegend in weitem Umkreis. Hinzu kommt das Einschleppen ansteckender Krankheiten und Seuchen. Als die beiden Heere abziehen sind zwei Drittel der Zivilbevölkerung tot, die meisten Höfe und Häuser zerstört.

Eine besonders bemerkenswerte Tatsache in der Weihersbucher Geschichte ist das frühe Vorhandensein eines Schulwesens in Oberweihersbuch. Schon im Jahre 1661 wird in den Eibacher Abendmahlsregistern ein Schulmeister in Weihersbuch namens Hans Maderer genannt. Man kann also sicher davon ausgehen, dass zu dieser Zeit in Oberweihersbuch schon Schule abgehalten wurde (176 jahre früher als in Stein). Anfangs im Wirtshaus, später im gemeindeeigenen Hirtenhaus.

Nachdem Franken im Jahr 1806 bayrisch geworden war, wurden aufgrund des Gemeindeedikts im Jahr 1808 die Ortschaften Ober- und Unterweihersbuch mit dem Ort Stein zu einer politischen Gemeinde zusammengeschlossen. Aber schon im Jahr 1841 trennten sich die beiden Ortschaften Ober- und Unterweihersbuch wieder von Stein und bildeten zusammen die Landgemeinde Weihersbuch. Der Grund für die Trennung dürfte wahrscheinlich der Bau einer eigenen Schule in Stein im Jahr 1837 gewesen sein.

Ein großer Tag für die beiden Ortschaften war die Einweihung der St. Jakobuskirche im Jahr 1928. Bis zu diesem Zeitpunkt gingen die Ober- und Unterweihersbucher nach Stein zur Kirche, gehörten aber zur Pfarrei Zirndorf. In noch früherer Zeit war Oberweihersbuch kirchlich geteilt. Oberbuch, südlich des Grundbaches gelegen, gehörte zur Pfarrei Roßtal, Weihersbuch nördlich des Grundbaches und Unterboch gehörten zur Zirndorfer Pfarrei. Wegen des kürzeren Weges gingen sie aber nach Eibach in die Kirche und ließen dort alle kirchlichen Handlungen vornehmen.

Die fläachen- und bevölkerungsmäßig größte Expansion auf altem Weihersbucher Gemeindegebiet erfolgte 1981 mit dem Beginn der Bebauung am fabergut. 1981 wurde auch die B14 Ortsumgehung eröffnet. 1995 wurde der städtische Kindergarten im Höllgarten eingeweiht. 2002 konnte die evangelische Kirchengemeinde St. Jakobus ihr neues Gemeindehaus einweihen.

Ober- und Unterweihersbuch haben ihr Gesicht verändert. Über mehrere Jahrhunderte waren sie rein landwirtschaftlich geprägte Siedlungen mit einer relativ konstanten Anzahl an Höfen und Einwohnern. Die meisten dieser Höfe existieren in ihrem Flurbestand noch heute. Einer davon ist seit 423 jahren im Besitz der gleichen Familie.

Erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts setzte, zuerst in Unterweihersbuch, eine anfangs moderate, später immer schneller fortschreitende Wohnbebauung ein. Ob diese Entwicklung bei gleichbleibender Richtung und Intensität nur positiv zu bewerten ist, und ob sie den Erhalt einer noch bestehenden eigenständigen Ortsidentität mit einer lebendigen Vereinskultur ermöglicht, bleibt abzuwarten.

Quelle: Landkreis-Magazin 17/2003

weitere Links zu Ober- und Unterweihersbuch:

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Ober- und Unterweihersbuch - Zeittafel zur Ortsgeschichte
Oberweihersbuch (Kärwa)
Ober- und Unterweihersbuch - Feuerwehrgerätehaus Weihersbuch (bei Google-Maps)
Jakobus-Kirchengemeinde Oberweihersbuch
Jakobsweg in Franken