ab ca. 1970

Zu Beginn des Jahres 1970 ergriff Kommandant Urban Heckel die Initiative zur Vorbereitung des 75-jährigen Jubiläums, das nach seinem Willen neben dem Bau des Gerätehauses in Oberweihersbuch zum größten Ereignis für seine Wehr werden sollte. Doch es sollte ihm nicht mehr vergönnt werden, sein Fest selbst mitzuerleben, da er nach kurzer Krankheit völlig unerwartet am 12. September 1970 im Alter von 62 Jahren verstarb. Urban Heckel trat 1926 in die Freiwillige Feuerwehr Gutzberg ein und gehörte seit 1934 der Weihersbucher Wehr an. Nach drei Jahren wurde er Löschmeister und stellvertretender Wehrführer, bis er 1957 zum Kommandanten gewählt wurde. von 1945 bis 1957 war er gleichzeitig kassier, 1962 wurde Heckel zum Kreisbrandmeister des Landkreises Nürnberg berufen.

Unter Urban Heckel’s Führung errang die Wehr einen hohen Ausbildungsstand und verfügte über eine sehr große und gute Einsatzbereitschaft und Schlagkraft.

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Unterweihersbuch wurde Walter Gröger zum neuen Kommandanten gewählt. Gröger gehörte bereits seit 1946 der Wehr an, war zunächst Maschinist und wurde 1957 stellvertretender Kommandant. Zu seinem Stellvertreter wurde der Löschmeister Hans Winkler gewählt.

Die Alarmierung der Feuerwehr war schon immer ein besonderes Problem. Zu Beginn des Krieges erhielt zwar Stein eine Luftschutzsirene, die später dann für den Feueralarm verwendet wurde, doch für die Alarmierung der Feuerwehren in den Ortschaften nicht ausreichte. So mußten die aktiven Feuerwehrmänner aus Unterweihersbuch noch anfangs der 60iger Jahre, man höre und staune, immer noch durch den Ruf des Hornisten alarmiert werden. Als letzter Hornist amtierte Konrad Fuchs. Ihn lösten die Sirenen des Zivilschutzes, die gleichzeitig für die Alarmierung der Feuerwehr mitbenutzt werden, ab. Erst im Jahre 1970 wurden die für den Feueralarm verwendeten Sirenen in einer Sirenensteueranlage im Gerätehaus Stein zusammengefaßt. In der Folgezeit mußte die Wehr häufiger ausrücken, meist jedoch wegen Fehlalarme oder kleiner Brände, die ein Eingreifen nicht erforderlich machten.

Von den Einsätzen im Jahr 1970 sind besonders der Kellerbrand bei Niedermann in Stein und ein weiterer Brand bei der Firma A.W. Faber-Castell zu erwähnen. Insgesamt wurde die Wehr achtmal gerufen.

Die Freiwillige Feuerwehr zählte im Jubiläumsjahr ihres 75-jährigen Bestehens (1971) 34 aktive, 14 passive und 11 fördernde Mitglieder.

Weiter ist festzuhalten, daß es der Wehrnicht vergönnt bzw. möglich war, ihr 25- und 50-jähriges Bestehen in festlicher Form zu begehen. 1921 stand bereits im Zeichen des Inflationsbeginns und 1946 zählt mit zu den schwersten Nachkriegsjahren beim Wiederaufbau unseres Gemeinwesens. Um so erfreulicher war es, daß die Wehr endlich nach 75 Jahren ein großes Feuerwehrfest begehen konnte, das durch den damit verbundenen Kreisfeuerwehrtag seine Krönung erfuhr. Die Vorbereitung des Festes übernahm federführend Kreisbrandmeister Felix Fetz. Zur Erinnerung an den Gründungstag fand am 17.05.1971 eine Sitzung des Festausschusses im Gründungslokal, dem heutigen Gasthof Geiger, statt.

Das 75-jährige Jubiläum, verbunden mit dem Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Nürnberg, wurde in der Zeit vom 25. bis 27. Juni 1971 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und den Feuerwehren der Gemeinde, der Nachbargemeinden und Nachbarlandkreise begangen. Die Schirmherrschaft hatte Landrat Purucker übernommen.

Den Auftakt zu dem dreitägigem Fest bildeten am Freitag der Bieranstich durch Bürgermeister Joseph Dümmelbeck und ein bunter Abend. Das in Unterweihersbuch aufgestellte 2.000 Personen fassende Festzelt war bis auf den letzten Platz gefüllt.

An der Schauübung am Samstagnachmittag beteiligten sich die Wehren Weihersbuch, Deutenbach und Stein. Rund 300 Zuschauer konnten sich dabei von der Schlagkraft dieser Wehren überzeugen. Als Brandobjekt diente das landwirtschaftliche Anwesen Collischon in Oberweihersbuch.

Zum Festkommers am Samstagabend hatten sich neben dem Schirmherrn, der Bundestagsabgeordnete Dr. Dieter Haack und der Landtagsabgeordnete Justin Leicht sowie Bürgermeister Joseph Dümmelbeck, die Gemeinderäte und Vertreter der Feuerwehren eingefunden. Festredner Friedrich Heckel ging in seinem Festvortrag auf die Geschichte der Weihersbucher Wehr ein und dankte der Gemeinde Stein für ihre stete Unterstützung in allen Feuerschutzangelegenheiten.

Bürgermeister Dümmelbeck sprach vo einer besonderen Position der Feuerwehrmänner innerhalb der Gemeinschaft und dem beruhigendem Bewußtsein, daß seine Wehren immer einsatzbereit seien. Dank für den aktiven Dienst der Wehrmänner sagte Landrat Kurt Purucker im Namen des Landkreises und überreichte als äußeres Zeichen der Anerkennung ein Geldgeschenk. Kreisbrandinspektor Konrad Pöllot, Altdorf, unterstrich in seinen Ausführungen die freiwilligen Dienstleistungen der Feuerwehrleute.

Im Anschluß an die Ansprachen erhielten zwei Löschgruppen der Deutenbacher Wehr und die Feuerwehrmädchen aus Schwaig Leistungsabzeichen ausgehändigt. Für 40-jährigen aktiven Dienst wurde der stellvertretende Kreisbrandinspektor Hans Gloßner, Deutenbach, mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen und der Verdienstmedaille der Gemeinde ausgezeichnet. Das
Feuerwehr-Ehrenzeichen für 25 Jahre aktiven Dienst erhielt der Kommandant der Weihersbucher Wehr, Walter Gröger.

Die Wehr selbst ehrte für langjährige aktive Mitgliedschaft mit dem goldenen Feuerwehrzivilabzeichen den Ehrenkommandanten Michael Arnsperger, den langjährigen Vorstand Hans Collischon, den Schriftführer Sebastian Distel, die Kameraden Konrad Fuchs, Karl Pröger, Wilhelm Schönhut, Hans Stahl und Georg Winkler. Das silberne Feuerwehrzivilabzeichen nahmen in Empfang Georg Bellert, Kommandant Walter Gröger, Vorstand Hans Knöllinger, Georg Lämmermann, Georg Lohbauer, Hans Lohbauer, Hans Lutz, Josef Schwarz, Andreas Winkler und stellvertretender Kommandant Hans Winkler.

Grußworte und Geschenke überbrachten die Wehren der Gemeinde sowie der Gesangverein Sängerlust Bertelsdorf und Umgebung, der auch zur Gestaltung des Festkommers
seinen Beitrag leistete.

Der Sonntag, als Höhepunkt des Festes, begann um 6.00 Uhr mit dem Weckruf in Ober- und Unterweihersbuch, dem sich unter Mitwirkung des Posaunenchores das Totengedenken am
Ehrenmal vor der Kirche in Oberweihersbuch und ein gut besuchter ökumenischer Gottesdienst im Festzelt, gehalten von den Geistlichen Ewald Bauer, Oberweihersbuch und Veit Funk,
Stein, anschlossen.

Ein buntes Bild bot sich am Nachmittag in den Straßen Unterweihersbuchs. Über 1.000 Wehrmänner marschierten im Festzug an den fähnchengeschmückten Häusern vorbei. Eine vielköpfige Menschenmenge säumte die Straßen. 56 Wehren aus nah und fern gaben unter den Klängen von drei Kapellen und zwei Spielmannszügen eine eindrucksvolle Demonstration der großen Feuerwehrfamilie.

Im Jahre 1971 wurde die Wehr am 07.09. zu einem Dachstuhlbrand bei Pöverlein, Unterweihersbuch, und am 22.09. zur Firma Erco-Leuchten, Stein, gerufen. Weiter waren noch 8 Fehlalarme zu verzeichnen.

Als Abschluß des Festes wurde am 25./26.09 eine Omnibusfahrt nach Sölden im Ötztal unternommen, die sehr erlebnisreich war.

Im Spätherbst erwarben noch zwei Löschgruppen das goldene Leistungsabzeichen (Stufe III/2) und eine neue Gruppe das bronzene (Stufe I).

Zum Jahresende wurde im Gerätehaus ein Telefonanschluß eingerichtet.

Bei den anstehenden Wahlen anläßlich der Jahreshauptversammlung am 06.01.1972 wurde für den erkrankten Schriftführer als Stellvertreter Ernst Pröger gewählt und im darauffolgendem Jahr als Schriftführer bestätigt. Als Zeugwart wurde Fritz Lohbauer bestimmt, der damit die Nachfolge der bereits von seinem Vater ausgeübten Funktion antrat.

Während der Wintermonate wurde ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert, der von ca. 30 Feuerwehrleuten besucht wurde.

1972 war kommunalpolitisch ein schicksalhaftes Jahr. Im Zuge der Gebietsreform blieb der Gemeinde Stein die Selbständigkeit erhalten, wurde aber mit Wirkung vom 01. Juli in den
Landkreis Fürth eingegliedert.

Das Jahr verlief, abgesehen von 8 fehlalarmen und einigen kleineren technischen Hilfeleistungen (Keller auspumpen, Verkehrsunfall, Ölschaden), verhältnismäßig ruhig, bis am 24. Dezember vormittags gegen 11.00 Uhr die Sirenen zum Brand des gemeindeeigenen Mehrfamilienwohnhauses Gartenstraße 6 in Stein riefen. Ein mehrstündiger Einsatz mit der Kraftdrehleiter und dem schweren Atemschutz war erforderlich. Dem schnellen und gezielten Angriff der gemeindlichen Wehren war es zu verdanken, daß das Feuer auf die andere Doppelhaushälfte nicht übergreifen konnte.

Nachdem die Gemeinde Stein bei der Gebietsreform selbständig geblieben ist, wurden in der Jahreshauptversammlung 1973 erste Überlegungen für die Anfertigung eines Vereinsbildes und der Anschaffung einer Fahne angestellt.

Aus der Hand von Landrat Dr. Dietrich Sommerschuh und Kreisbrandrat Georg Schwab erhielten im Rahmen eines Kameradschaftsabends am 08.06.1973 im Gasthaus Geiger, Unterweihersbuch, das Feuerwehrehrenzeichen für 25 Jahre aktive Dienstzeit Kamerad Georg Lämmermann, Vorstand Hans Knöllinger und stellvertretender Kommandant Hans Winkler. Die gleiche Auszeichnung in Gold empfing für 40 Jahre aktive Dienstleistung Kamerad Georg Winkler, dem zusätzlich von Bürgermeister Dümmelbeck die Verdienstmedaille der Gemeinde übergeben wurde.

Am 17.06.1973 fand in Gutzberg die Wahl von Kreisbrandrat Alfred Gronau, Wintersdorf, statt.

1973 wurde die Wehr zu vier Einsätzen gerufen. Der erste Einsatz war ein brennender Strohhaufen am Mühlloheweg in Unterweihersbuch. Der zweite Einsatz ber der Firma Erco-Leuchten in Stein gestaltete sich schwierig, da in den verqualmten Kellerräumen nur mit schwerem Atemschutz vorgegangen werden konnte. Im Oktober brannte eine Feldscheune des Fabergutes, und im Dezember brannte eine Scheune von Kamerad Georg winkler, Oberweihersbuch.

Wegen mehrerer Brandstiftungen im Landkreis und im mittelfränkischem Raum führte die Wehr, unterstützt von den Einwohnern in Oberweihersbuch, Nachtwachen durch, um dem Feuerteufel keine Chance zu geben.

In der Jahreshauptversammlung 1974 stellte Kassier Friedrich heckel sein Amt, das er seit 1960 versah, erneut zur verfügung. Als neuer Kassier wurde Erwin Müller gewählt.

Eingesetzt war die Wehr mit schwerem Atemschutz bei einem Saunabrand in Stein am 19.09.1974. Ausgerückt, ohne eingreifen zu müssen, war die Wehr am 29.04. zum Brand der Feldscheune Höfler, Gutzberg, und zum Absturz eines Düsenflugzeugs in Oberasbach.

Da die Weihersbucher Wehr als einzige gemeindliche Steiner Wehr über schweren Atemschutz verfügte, war es ein besonderes Anliegen unseres Kreisbrandmeisters Felix Fetz, diesen
auf- und auszubauen. Er übernahm zusammen mit dem zum Leiter des Atemschutzes bestellten stellvertretenden Kommandanten Hans Winkler die Ausbildung von neuen Atemschutzgeräteträgern. Von der Gemeinde wurde die Anschaffung von 8 Atemschutzgeräten und die Einrichtung einer Atemschutzwerkstatt genehmigt. Als Atemschutzwart wurde Albert Sperber eingesetzt. Die Übergabe der Atemschutzwerkstatt in der Alexanderstraße 1 wurde am 18.12.1974 von Bürgermeister Dümmelbeck vollzogen.

weiter Informationen dazu:

Historie der Wehr
Gründungsjahre der Wehr
Geschichte der Wehr ab ca. 1930
Geschichte der Wehr ab ca. 1940
Geschichte der Wehr ab ca. 1960
Geschichte der Wehr ab ca. 1970
Geschichte der Wehr ab ca. 1975